Der Markt für Outdoor-Bekleidung befindet sich seit Jahren im stetigen Wachstum. Hochwertige und hochfunktionale Outdoor-Jacken werden nicht mehr nur auf Skipisten oder von Kletterern und Bergsteigern getragen, sie haben längst Einzug in den Alltag erhalten. Outdoor-Hersteller wie Patagonia, VAUDE, Salewa oder Mammut sind groß geworden. Funktion und Style der Bekleidung wurden mit rasendem Tempo weiterentwickelt. Doch waren diese Marken bei all diesem Wachstum auch dazu bereit, Verantwortung für eine umweltverträgliche und sozial gerechte Produktion zu übernehmen?

Unser Gast-Autor Valentin Sauer (Bergzeit Blog) stellt euch die aus seiner  Sicht wichtigsten Hersteller von Outdoor-Bekleidung vor und fasst zusammen, was die Unternehmen für eine faire und ökologische Produktion unternehmen.

St. Bartholomew's Church, Berchtesgaden by Sergiu Bacioiu

Arc’teryx:

Der Hersteller aus Kanada ist nicht nur für sein ausgefallenes Logo, sondern auch für seine extrem hochwertige Outdoor-Bekleidung bekannt. Diese Qualität hat natürlich seinen Preis und ist möglich, weil Arc’teryx über eigene Produktionsstätten direkt im Umland von Vancouver verfügt, wo Produktenwickler und Entwicklungsingenieure Hand in Hand mit der Produktion arbeiten. Arc’teryx produziert jedoch auch in insgesamt 8 weiteren Ländern (USA, China, El Salvador, Italien, Philippinen, Taiwan, Thailand und Bangladesch), arbeitet dabei aber nur mit Produktionsstätten zusammen, die Ihre sozial verantwortliche Arbeitsweise nachweisen und bei den regelmäßigen Besuchen des Produktionsteams aus Vancouver unter Beweis stellen können.

Bergans:

Die traditionsreiche Marke aus Norwegen hat im Jahre 1908 den ersten Rucksack produziert und mischt auch jetzt noch regelmäßig mit innovativer und modischer Outdoor-Bekleidung und -Ausrüstung den Outdoor-Markt auf. Bergans ist Mitglied bei der „Initiative für Ethischen Handel“ (IEH). Die IEH (englisch: Ethical Trading Initiative) ist eine norwegische Organisation aus Partnern aus Wirtschaft, Gewerkschaften, NGOs und öffentlichen Institutionen, die sich dazu verpflichtet haben, im Rahmen der gesamten Lieferantenkette für Verbesserungen von Arbeitsbedingungen und Umweltschutz beizutragen.

Bergans hat einen „Code of Conduct“ entwickelt, der einen Leitfaden für das Unternehmen mit dem Ziel fairer und umweltfreundlicher Produktion darstellt. Auch ist Bergans Mitglied einiger anderer sozialer Organisationen und Unterstützt verschiedene soziale Projekte in verschiedenen Bergregionen der Welt.

Fjällraven:

Das schwedische Wort für Polarfuchs hat dieses Unternehmen mit Sitz in Nordschweden zum Markennamen gewählt. Fjällraven hat eindeutig nicht nur Outdoor-Sportler als Zielgruppe, sondern die Produkte – zum Beispiel aus dem langlebigen und strapazierfähigen Fjällraven G-1000-Gewebe – sind auch bei klassischen Natur-Berufen wie Jägern, Förstern, Waldarbeitern oder Rangern beliebt. Daher ist sich der Hersteller auch seiner Verantwortung für Mensch, Tier und Natur bewusst und versucht seit langem, dieser Verantwortung konsequent gerecht zu werden. So benutzt Fjällraven zur Imprägnierung seines G-1000-Materials seit jeher Grönlandwachs, welches im Gegensatz zu üblichen flourkarbonhaltigen Imprägnierungsmitteln ein hundertprozentiges Naturprodukt aus Bienenwachs und Paraffin darstellt.

Zur Einhaltung der sozialen Anforderungen des Unternehmens lässt Fjällraven in allen Produktionsstätten regelmäßig unabhängige Kontrollen durchführen.

Jack Wolfskin:

Keine andere Outdoor-Marke hat den deutschen Markt so aufgemischt wie Jack Wolfskin. Dabei hat es Jack Wolfskin auf einzigartige Weise geschafft, den großen Markt der Alltagsbekleidung zu bedienen. Die gesamte Ausrichtung der Marke hat sich dabei von extremen Expeditionsbergsteigen hin zu funktionaler Bekleidung für jeden Tag entwickelt. Jack Wolfskin ist seit 2010 Mitglied in der „Fair Wear Foundation“, deren Ziel die Schaffung und Förderung von menschenwürdigen Arbeitsbedingungen entlang der textilen Wertschöpfungskette ist. Dazu gehört die Durchführung von Schulungen und Audits genauso, wie ein Beschwerdemechanismus, der es Fabrikangestellten ermöglicht, Beschwerden anonym und direkt an die FWF sowie an den Auftraggeber weiterleiten zu lassen.

Dabei hat Jack Wolfskin auch schon vor dem Beitritt zur FWF sich an die Grundregeln der sozial verantwortlichen Produktion gehalten und wichtige Regeln wie das Verbot von Kinderarbeit, angemessene Arbeitszeiten und Löhne, Arbeitssicherheit oder Gewerkschaftsfreiheit umgesetzt. Zur Überprüfung und Förderung der Einhaltung dieser Standards werden von einem unabhängigen Auditierungs- und Qualifizierungsunternehmen regelmäßige Audits und Schulungen durchgeführt.

Montagna by sgirolimetto

Mammut:

Ebenfalls Mitglied bei der „Fair Wear Foundation“, und zwar bereits seit dem Jahr 2009, ist die Mammut Sports Group. Mammut berichtet jährlich transparent über umgesetzte und geplante Maßnahmen, Herausforderungen und Erfolge seines sozialen Engagements in einem „sozialen Jahresbericht“. Darüber hinaus versucht Mammut in verschiedenen Projekten umweltfreundliche Produktion einzuführen und umweltfreundliche Werkstoffe zu nutzen. So wurde beispielsweise die Climbing-Produktlinie aus Biobaumwolle aus fairer und nachhaltiger Produktion gefertigt und auch Recycling-Materialen finden immer weiter Einzug in den Produktkatalog – zumindest bei Produkten, bei denen dies ohne Qualitätseinbußen möglich ist. Beispiele sind der Mammut Ajungilak 3-Seaseon-Schalfsack oder der Rucksack Mammut Nirvana Ride.

Einfach aber klasse: In jedem Schweizer Mammut Store stehen Sammelboxen, in die gebrauchte Outdoor-Ausrüstung eingeworfen werden soll, um später recycelt zu werden. Im Gegenzug gibt es einen Mammut-Einkaufsgutschein.

Patagonia:

Eine ausführliche Beschreibung der Arbeit von Patagonia, sicherlich einer der sozial und ökologisch fortschrittlichsten und authentischsten Outdoor-Unternehmen, hat Alf vom Designmob an anderer Stelle in diesem Blog bereits veröffentlicht (und zwar im Designmob-Kleiderschrank) – inklusive einer kritischen Reflexion.

Salewa:

Seit dem Jahr 2009 hat sich auch der Outdoor-Hersteller Salewa den Schlagworten „Social“, „Responsible“ und „Sustainable“ verschrieben. Um dies zu kommunizieren hat Salewa im Jahr 2011 einen Nachhaltigkeitsbericht erstellt. Wie die meisten anderen Hersteller hat auch Salewa einen „Code of Conduct“ erstellt, der die wichtigsten Richtlinien und Rahmenbedingungen der Zusammenarbeit mit Lieferanten und Produzenten aus Übersee definiert. Interessant ist vor allem, dass Salewa neben sozialen und ökologischen Punkten hier auch klar das Problem der Korruption in Produktionsländern anspricht und damit eines der Schlüsselprobleme dieser Länder.

Ansonsten versucht Salewa mit Einzelprojekten Produktions- und Bergregionen zu unterstützen. Das Projekt „Elvira“ beispielsweise ist 2011 nach insgesamt fünf Jahren Projektdauer ausgelaufen. In Zusammenarbeit mit der Caritas Südtirol und einer lokalen NGO finanzierte Salewa einen 5-Jahresplan zur nachhaltigen Dorfentwicklung des auf 2.800 Meter gelegenen Dorfes Elvira in Bolivien. Dazu gehörte beispielsweise der Bau von Brunnen und Kochstellen genauso wie der Bau einer Schule, einer Krankenstation oder die Installation von Photovoltaik-Anlagen zur rudimentären Stromversorgung des abgelegenen Bergdorfs.

VAUDE:

Das soziale und ökologische Engagement des Outdoor-Herstellers VAUDE mit Sitz am Bodensee wurde in den letzten Jahren auch mit dem Generationenwechsel in der Geschäftsleitung stark ausgeweitet. VAUDE wurde unter anderem für den deutschen Nachhaltigkeitspreis 2011 nominiert. Mehr über das Engagement von VAUDE kannst du im Bergzeit Blog nachlesen.

Food Stocker by tehf0x

Soweit so gut…

Oben genannte Informationen sind größtenteils aus Informationmaterial bzw. Jahresberichten der Unternehmen selbst entnommen. Der Informationsgehalt dieser Berichte und Studien ist dabei leider nicht immer detailliert genug, um die Ernsthaftigkeit und Professionalität der Bemühungen glaubhaft zu vermitteln.

Auch wenn gegen die alte Floskel „Tu Gutes und rede darüber“ nichts einzuwenden ist, liegt die Vermutung nahe, dass die ein oder andere soziale oder ökologische Kampagne (nicht unbedingt der oben genannten Unternehmen) eher  Marketing- und Imagezwecken dient, als dem Schutz der Mitarbeiter und der Umwelt in den Produktionsländern.

Das bestätigt auch eine Studie der Clean Clothes Kampagne, die 15 Outdoor-Unternehmen im Jahre 2010 zu ihrer sozialen Unternehmensverantwortung befragt und in fünf Kategorien eingeteilt hat: Gipfelstürmer, Spaziergänger, Einsteiger, Trödler und Verweigerer. Dabei haben es immerhin schon zwei der Unternehmen, Odlo und Mammut, in die Kategorie Gipfelstürmer geschafft. Den anderen Unternehmen versperrte hauptsächlich das fehlende Bekenntnis zur Zahlung eines existenzsichernden Lohns den Weg zum Gipfel. Der harte Wettbewerbsdruck in der Branche kann bei der strengen Preispolitik der Unternehmen kaum der Grund sein. Hier muss unbedingt nachgebessert werden. Die Studie stellt aber auch fest, dass sich bei vielen der Unternehmen tatsächlich etwas tut, insbesondere die Firma VAUDE hat wie oben beschrieben in den letzten Jahren viel dazugelernt.

Unser Outdoor-Experte Valentin beim Snowboarden (c) by Sunstone Adventures Limited

Valentins Fazit: Outdoor-Hersteller auf dem richtigen Weg

Alle großen Hersteller von Outdoor-Bekleidung und Outdoor-Ausrüstung haben sich die Stichworte „Nachhaltigkeit“ sowie „soziale und ökologische Verantwortung“ zumindest auf die Fahnen geschrieben.

Mit Ihrem Engagement in diesen Bereichen sind sie auf dem richtigen Weg, jedoch sind die meisten Projekte noch weit davon entfernt, den strengen und weitreichenden Richtlinien von TransFair e.V. zu entsprechen.

Die Veränderung der Produktions- und Arbeitsbedingungen hin zur Erfüllung dieser hohen Standards benötigt Zeit und besonderen Einsatz, da die extrem hohen Qualitätsanforderungen an die  manchmal überlebenswichtigen Outdoor-Produkte höchste Priorität genießen müssen. Dank Ihres starken Wachstums sollten die Outdoor-Hersteller jetzt aber in der Lage sein, den eingeschlagenen Weg hin zu einer umfassend und glaubhaft sozial gerechten und ökologischen Produktion konsequent zu Ende zu gehen.

 

Typewriter by h_arry

Typewriter by h_arry

Update vom 6.12.: Auf dem Berliner Heldenmarkt ist Alf noch einmal auf die Erklärung von Bern und die CCC (Clean Clothes Campaign) aufmerksam geworden.

Zum 1.1.2010 wurden Firmenbefragungen durchgeführt, um herauszufinden, wie fair Kleiderfirmen produzieren und was sich hinter den Werbeverspechen von Kleiderfirmen, die sagen, sie halten sozialen Mindeststandards ein oder seien Mitglied bei diversen Initiativen, wirklich verbirgt.

Die EvB hat im Rahmen der Clean Clothes Campaign eine breit angelegte Firmenbefragung durchgeführt und untersucht, mit welchen Massnahmen die Kleiderfirmen auf der Ebene ihrer Unternehmenspolitik die Produktion steuern und inwiefern sie sich für die Einhaltung der Arbeits- und Menschenrechte und der Verbesserung der Arbeitsbedingungen in den Zulieferbetrieben einsetzen.

Herausgekommen ist eine Sammlung von 80 Firmenporträts aus den Bereichen Fashion, Outdoor, Streetwear, Sportswear und Skatewear, die ihr hier einsehen könnt.

Die Firmenprofile von Columbia, Fjällräven, Haglöfs, Helly Hansen, Jack Wolfskin, Mammut, Marmot, Odlo, Patagonia, Tatonka, Salewa, Schöffel, The North Face, VAUDE, sowie der Street-, Sports- und Skatewear wurden in Zusammenarbeit mit den folgenden Organisationen erstellt: Society for Fair Trade (Tschechien), Südwind Agentur (Österreich) und INKOTA.