heute muss es schnell gehen, schließlich müssen wir in diesen tagen viel zeit in blendendes aussehen investieren, um zwischen androgynen supermodels, ambitionierten jungdesigner_innen und angestrengten promohasen bloß nicht als totally underdressed aufzufallen. überall wird gefashionweeked, gebreadandbuttert und geshowandordert, bei uns hingegen kommen die fundsachen des vergangenen jahres allmählich wieder in mode. dress well, get dressed and dresscode yourself. nur dem deutschen schweinekonzern, der seinen namen an das edelschaulaufen am brandenburger tor rangesponsort hat, würden wir allzugern gern die tarnhosen ausziehen.

(clubkollektiv von ://about blank)

Jubel, Trubel, Heiterkeit – Auf ins Mode-Bohei

Tarnhosen an und rein ins Getümmel. Anne Wenkel war mit böser Zunge und scharfen Beobachtungen mit Assistent Alf-Tobias Zahn auf der Berliner Fashion Week 2012 unterwegs.

Neben dem erstmaligen Erleben des Mode-Boheis in der Hauptstadt lag das Hauptaugenmerk auf den so genannten „grünen“ Begleiterscheinungen der Fashion Week: dem Greenshowroom, der Ethical Fashion Show, dem Lavera Showfloor und etwa der Toast & Jam Vintage Fashion Fair.

Und natürlich durfte auch eine, wenn auch kurze, Stippvisite des von Mercedes Benz gesponserten Teils der Fashion Week nicht fehlen. Ist es nicht schön, dass auch dieser „Schweinekonzern“ noch von einem grünen Schimmer profitiert und mit Begrifflichkeiten wie Nachhaltigkeit, Fairness und Umweltbewusstsein in Verbindung gebracht wird? Klasse, oder?

 

Böse, schonungslos und definitiv subjektiv

In drei Artikeln führt euch Anne durch ihre persönlichen Eindrücke von der Berliner Fashion Week. Sie konnte auf Grund ihrer knappen Zeit nicht alles und jeden besuchen – die vollkommene Subjektivität steht demnach im Mittelpunkt dieses Reviews und verzichtet auf jegliche Allgemeingültigkeit. Anne sah sich um, diktierte und notierte – lest selbst, was dabei alles zu Tage gefördert wurde …

Vintage Fashion Fairy Tale und die Philosophie des „R“ (Klick)

Zwischen Kolonialkitschkunst und ethischem Anspruch (Klick)

Wenn Haute Couture auf Chapati trifft (Klick)

Quo vadis, öko-faire Mode auf der Fashion Week?

Bevor ihr weiterklickt, schließen wir dieses Intro mit einem Zitat aus der taz und öffnen mit einigen Gedankenanstößen ein neues Feld. Der taz-Artikel zum nachfolgenden Zitat bringt vieles,  wenn auch unnötig gekünstelt, auf den Punkt und schließt mit einem konsequenten Ende:

Auf der Fashion Week drapieren sich die Veranstalter selbst gern mit den Event-Labels „GreenAvantgarde“ oder „EthicalDesign“. Der Armut nebenan aber stillos die kalte Schulter zu zeigen, darüber lässig die trendige Jutetasche drapiert, das Ganze in der Hoffnung auf ein paar Almosen aus dem städtischen Etat – und auf den sozialdemokratischen Modegott Heinz Buschkowsky, Bezirksbürgermeister, der das gerade geschlossene Neuköllner C&A zum Atelierhaus für fünfzig Jungdesigner umrichten will – all das macht die Berlin Fashion Week gleich der „Berliner Modeszene“ genauso überflüssig für die Mode, wie es die stylischen Jugendlichen aus Neukölln, ihre ethisch gewandeten SozialpädagogInnen und die Jung-„Designer“ aus Kreuzkölln für die Wirtschaft bereits sind.

Wir fragen uns dabei: Wie sehr benötigt die „öko-faire Modeszene“ einen Lift wie die Berliner Fashion Week, um all die Oberflächlichkeit und Vergesslichkeit dieser zu tolerieren? Gerade der Anspruch an Nachhaltigkeit, an ein umweltbewusstes Verhalten und an faire Arbeitsbedingungen steht in einem deutlichen Gegensatz zu einigen potenten Sponsoren, dem Anspruch der Fashion Week und dem Selbstverständnis des Großteils der Textilindustrie.

Attribute statt Schnitte

Und noch eine weitere Windung weitergedreht: Wie lange definiert sich die öko-faire Mode noch über die Attribute „öko“ und „fair“? Kann das die Zukunft sein? Wie lange kann sich diese Mode es leisten, in einer Nische zu verweilen? Wann beginnt dieser Bereich wirklich Mode zu sein und damit in größeren Strukturen zu denken und zu handeln? Reden wir hier über eine Utopie oder über eine denkbare Entwicklung, die noch von uns – Produzenten, Konsumenten, Künstlern – angestoßen werden muss?

Leider war ich auch besonders von der grünen Mode recht enttäuscht. Ich habe den Eindruck, dort dreht sich auch immer alles nur um Yoga oder Wohlfühlkleidung, wenn es etwas eleganter zugeht, sieht es meistens dann eher bieder aus. In der grünen Mode fehlen mir ganz klar Designer und Labels, die herausstechen im Design und die sich trauen auch für die konventionelle Frau was zu schaffen und auch das „Nicht-Ökovolk“ zu begeistern. […] Die grüne Mode kann ich nicht nur von „Ökos“ überleben, also muss man darüber hinaus wachsen, das Preis-Leistungs-Verhältnis anpassen und konventioneller und mutiger in die Designs gehen.

Zitat von Malinka Remé (De la Reh)