Eng umschlungen, zart aneinander schmiegend – vor allem mit den Großaufnahmen junger textilgeschmückter Körper und den Hunderten von Schmetterlingen im Video von Ryan McGinley hat das irische Label Edun auf seine neue Kollektion aufmerksam gemacht. Kein Pomp, wenig Schnörkel, dafür weiche Farben und Stoffe für dieses Frühjahr und den noch fernen Sommer.

[Nach dem Klick auf das Foto gelangt ihr zu Alfs Artikel „Sinnlich, sanft, sozial: Die Frühling/Sommer 2012 Kollektion „Beautiful Rebels“ von Edun“]

80.000 Kilo Baumwolle für 76.000 T-Shirts

Hinter Edu stehen Designer Rogan Gregory sowie Ali Hewson und ihrem Mann, U2-Sänger Bono. Für die Kollektionen wird nicht nur auf Bio-Baumwolle geachtet, sondern auch auf die Bedingungen vor Ort. Dazu zählen etwa die gesundheitliche Versorgung der Arbeiterinnen und Arbeiter sowie eine faire Bezahlung der geleisteten Arbeit.

Edu hat im Jahr 2007 – zusammen mit der Wildlife Conservation Society (WCS) – die CCIU – die Conservation Cotton Initiative Uganda – gegründet. 2008 entstanden durch die Zusammenarbeit nicht nur mehr als 80.000 Kilo Baumwolle, sondern daraus eben auch nahezu unfassbare 76.000 T-Shirts aus Bio-Baumwolle.

Gute Ansätze – kritische Abhängigkeiten

Bei all dem berechtigten Lob für das Engagement – ethisch korrekte Produktion, sinnliche Kollektion, soziale Verantwortung – lässt sich dennoch ein Punkt zumindest kritisch diskutieren: Die Abhängigkeit der knapp 1.000 Kleinunternehmer respektive Bauern in Uganda, die in der CCIU organisiert sind.

Entwicklungszusammenarbeit sollte eigentlich von Beginn so gestaltet werden, dass sie zu einem bestimmten Punkt überflüssig ist – weil sie das geschafft hat, was angestrebt wurde: Die Zivilgesellschaft vor Ort bei ihrem Weg in die Unabhängigkeit und Selbstständigkeit zu unterstützen.

Zumeist wird dieser Punkt in den Projekten zwischen Nord und Süd aber schlichtweg (bewusst) verpasst– ein internes und mittelfristig wohl nicht zu lösendes Problem der Entwicklungszusammenarbeit.

Sicherer Abnehmer dringend gesucht

Auf den konkreten Fall in Uganda bezogen stellt sich die Frage: Was passiert mit den Kleinunternehmern, wenn der sichere Kooperationspartner eben nicht mehr abnimmt? Wer folgt dann auf diesen für die Mengen an Bio-Baumwolle?

Der Berichterstattung über CCIU Glauben schenkend, scheint diese Initiative die beschriebene Abhängigkeit allerdings dringend nötig zu haben, werden doch in erster Linie Männer und Frauen eingesetzt, denen der Bürgerkrieg bis zu den Friedensgesprächen 2006 zugesetzt haben. So entsteht durch das Engagement von Edun zunächst einmal ein Arbeitgeber, der nicht nur Arbeit gibt sondern eben auch Wissen aufbaut, Fähigkeiten ausbildet und Möglichkeiten erzeugt.

Letztlich wird dieses soziale Engagement an seine Grenzen stoßen. Es bleibt abzuwarten, welche Schritte die Ugandische Initiative dann gehen wird.

Sinnlich und sozial

Auch wir hoffen auf weitere Edun-Kollektionen, da vor allem im Fashion Bereich endlich einmal Mode gezeigt wird, die sich nicht über ihre öko-fairen Eigenschaften definieren, sondern über ihren künstlerischen und kreativen Wert an sich. Sinnlich und sozial.

Alfs Kolumne über „Grüne Mode“ erscheint bei Kalinka.Kalinka immer am Sonntagabend. Also am besten noch vor dem Tatort reinklicken!