Im Januar haben wir noch selbst ein vierteiliges Résumé der Fashion Week gezogen. Für diese Sommerausgabe des modischen Spektakels lassen wir nun andere sprechen. 

Michael Hastreiter über Augustin Teboul

Baudelaires aufreizender Gedichtszyklus „Les Fleurs du Mal“, der auch von der Entfremdung dem eigenen Dasein gegenüber erzählt, ergab den gedanklichen Rahmen der Kollektion, die sich gewohnt düster, dramatisch und fantastisch zusammenfügte, wie man es der Arbeit von Annelie Augustin und Odély Teboul mittlerweile gewohnt ist. Farblich bestimmt einzig und allein Schwarz das Gezeigte. In der Hinsicht bleibt also alles beim Gewohnten. Durch außergewöhnliches Textildesign und den Einsatz unterschiedlichster Materialien bedient sich das Duo allerdings der breitgefächerten Nuancen dieser Nichtfarbe. Der Pianist Julien Quentin untermalte virtuos das kunstvoll durch die Szenografin Zana Bosnjak gestaltete Setting.

Anna Eimerl über Barre Noire

Auf jeden Fall eine Show der etwas anderen Art, denn stehen tut man draußen an, drinnen wurde getanzt. Die teils tätowierten Models mit wilder Lockenmähne und echten Blumen im Haar, für die übrigens die Floral Artist Ulrike Buchheim zuständig war, haben für Party gesorgt. Zum Live DJ-Set von BoysNoize Member Audionite wurden überraschend Konfetti-Kanonen abgefeuert und wer genauer hinschaute, hat unter den 16 Schönheiten auch Germany’s Next Topmodel Kandidatin Shawny Sanderund It-Girl Bonnie Strangeerspäht. Und während das Studio aus allen Nähten zu platzten drohte, tanze die Masse einfach mit. Hier trifft gekonnt Lolita auf Ghetto und wir wollen nun mehr als dringend den rosa Minnesota Pullover mit Strass am Ärmel, werden wohl aber eher mit Tattoo aufwachen. Und gestoppt werden darf die Kollektion direkt ab kommenden Montag im neuen The Shit Shop. Timm, küss die Hand und bis Januar!

Meltem Toprak über Istanbul Next

Die Designerinnen, die ihre Kollektionen im Rahmen der Istanbul NEXT Show präsentierten, bewiesen die Modernität Istanbuls mit dem feminen Geschmack der türkischen Frauen. Auch unabhängig vom allzu filigranen, dekorativen türkischen Stil waren die sehr cleanen Blusen in Pastelllila. Die Kleider, die Zeynep Erodgan jedoch zeigte, waren durch die Zierausschnitte und plissierten Röcke sehr feminin und verspielt. Burce Bekrek beeindruckte mit dezenten Farbblöcken, die mit eingeschnittenen Bereichen an verschiedenen Stellen aufgewertet wurden.  Günseli Türkay präsentierte Prints, die von afrikanischer Kultur inspiriert zu sein schienen. Da mich als Individuum in der Gesellschaft sowohl der Geschmack meiner türkischen Kultur als auch der meiner deutschen Heimat sehr prägt, treffen die Designer Istanbuls, die gekonnt Okzident und Orient in ihren Entwürfen verwirklichen, exakt meinen Geschmack.

Sarah Radowitz über ihre Highlights der Fashionweek

Lässiger-Berlin-Streetstyle hin, bequeme Haaremshose und Sneaker her. Ich finde alle, die sich entschlossen haben ein Teil dieser Modewelt zu sein, sollten die Modewoche als Fashionscenes-Christmas betrachten, und sich auch mal in High Heels bequemen und anderen Gewändern, als im Alltagslook vorm Laptop, hüllen. Nicht angestrengt, aber mit Bedacht und mit Fashionfokus gewählt. Es fehlte an vielen Ecken an Stil und Glamour. Auch oder erst recht eine Maren Gilzer oder Monica Ivancan in der Front Row, schmälern nicht die Kluft, die bislang noch breit zwischen Berlin und New York, Paris oder London klafft.

Jakob über Patrick Mohr Spring/Summer 2013

Zehn Models standen auf kleinen weißen Säulen vor der Leinwand, mussten aber alsbald gehen, um die Sicht freizumachen, auf das, was Patrick uns eigentlich zeigen wollte: seinen Fashion Film “Metamohrphose”. Satte zehn Minuten dauert der aufwändig produzierte Film. Neben dem Schauspieler Wilson Gonzalez Ochsenknecht und der Second Hand-Ladenbesitzerin Bonnie Strange wirkten vor allem nahezu alle Models der Hamburger Agentur PMA mit. Gedreht wurde “Metamohrphose” in Berlin von Hakan Can. Während der Film zu Recht einen anständigen Applaus vom Premierenpublikum erhielt, blieb zumindest mir recht unklar, wie genau die Frühjahr/Sommer 2013-Kollektion von Patrick Mohr denn nun aussieht.

Sarah Gottschalk über die Designer Scouts Fashion Show

Zwei Jahre sind bereits vergangen, seitdem die Designer Scouts um Frank und Gina ihre letzte Runway Show im HBC auf die Beine gestellt haben. In der Zwischenzeit ist es allerdings alles andere als still geworden um die Plattform, die die kleinen Juwelen am Modehimmel immer wieder für uns ausfindig machen – die zwei wollten einfach mal andere Ufer betreten und versuchten sich mit nicht minder erfolgreichen Installationen, ungewöhnlicheren Modepräsentationen, kleinen Ausstellungen, einem Modefilm und sogar dem Swap Market. Nach all den vielen Ausflügen sollte es in dieser Saison allerdings wieder eine klassische Modenschau sein und die hätte keinen schöneren Ort finden können als JULIAANDBENs großzügiges Studio in Berlin-Mitte.

Carina Bischof über Upcycling Highlights

Inmitten des Modezirkus waren für uns vor allem die Gespräche entscheidend. Bei Veranstaltungen wie der Innatex Lounge, dem Vortrag von Alf Tobias Zahn beim Fashion Blogger Café oder dem CREATE GREEN FRÜHSTÜCK auf der Ethical Fashion Show wurde UPCYCLING immer wieder in den Mittelpunkt gerückt. Das Thema zieht seine Kreise und wir hoffen auch in Zukunft weiter zu vernetzen, damit so tolle Synergien entstehen wie zwischen dem UPCYCLING FASHION STORE und den österreichischen Designern.

Lars Wittenbrink über Capsule und Bright 

Am Freitag gings los mit der Capsule, wo ich mir die neue Kollektion vonTWOTHIRDS angeschaut habe. Nochmal etwas weniger klassischer Skate-/Surfstyle und dafür mehr fashionlastig. Einfach verdammt gut. Interessant fand ich, dass TWOTHIRDS die Nachhaltigkeit ihrer Produkte bewusst noch weniger offensichtlich kommunizieren, weil es ihrer Erfahrung nach immer noch viele eher abschreckt. Capsule ist neben der Seek die Messe für vorwiegend kleinere, erwachsene urbane Brands und die mit dem hipsterigsten Publikum. Da zählt vor allem Design und Produktqualität. Klar auf Skate- und Longboarding ausgelegt ist die Streetwear-Messe Bright. Hier präsentierte bleed seine neuen Kollektion, die durch mehr printfreie, über den Schnitt funktionierende Teile ein gutes Stück erwachsener geworden ist. Hat mir sehr gut gefallen. In Kooperation mit den Standnachbarn von Bastl-Boards wurden zudem ein paar schicke bleed-Longboards präsentiert, handmade in Leipzig aus heimischem Holz.

Maria Busch über  den Lavera Showfloor

Höhepunkt war am Donnerstagabend die Hamburger Designerin Julia Starp, die auf dem Lavera Showfloor für ihre ökologische Sommerkollektion „SHE“ die ausdrucksstarke Malerei des Berliner Künstlers Kiddy Citny in unterschiedlichen Facetten einsetzte. Kleider, Röcke, Blusen, Hotpants, Blazer, Bademode und Regenmäntel in auffallenden Blautönen, zartem Gelb sowie klassischem Schwarz, Anthrazit und Weiß machen Lust auf Sommer, Sonne, Strand und Meer.Die LANA Natural Wear Fashion Show präsentierte unter dem Thema „From Idols and Ideas“ ökologische Mode inspiriert von Südfrankreich der 50er und 60er und zeigt frische, sommerliche Farben wie Weiß und Orange und vermittelt eine Kombination aus Natürlichkeit und Eleganz. Passend zu dieser Kollektion ließ die Designerin die Models mit romantischen Flechtfrisuren über den Laufsteg laufen.

 

Anmerkung der Redaktion: Etwaige Rechtschreibfehler bitten wir zu entschuldigen und sind nur den Zitierten anzulasten.