Von Marina Chahboune

Am 12. Oktober präsentierten die Absolventinnen des Masterstudiengangs „Sustainability in Fashion“ der Kunsthochschule ESMOD in Berlin ihre Abschlussprojekte in der Berliner Platoon Kunsthalle. Besonders spannend dabei war, dass die einzelnen Abschlussarbeiten sich mit ganz verschiedenen Themenbereichen  von Grüner Mode beschäftigten.

Heute stelle ich euch die Sneaker-Kollektion von ESMOD Graduate Stefanie Stolitzka vor:

Die Österreicherin Stefanie Stolitzka hat sich für ihre biologisch abbaubare Sneakerkollektion aus Hirschleder von klassischen Lederhosen inspirieren lassen. Im Fokus ihrer Masterarbeit stand die Auseinandersetzung mit der Gerbeproblematik von Leder und der Schuhherstellung. Wichtig war ihr dabei, das traditionelle Handwerk zu unterstützen.

Tradition ist durch seine Herstellung, das Wissen, die Kultur, die Geduld und die Handarbeit schon Teil nachhaltiger Produktion – da aber auch in der traditionellen Herstellung nicht alle Materialien 100 Prozent ökologisch sind, ist es mein Ziel Tradition zu erhalten und sie durch umweltfreundliche Materialien und moderne Umsetzung für die Zukunft weiter zu entwickeln.

Lokale Produktion und die Herstellung einer 100 Prozent biologisch abbaubaren Schuhkollektion – von der Materialbeschaffung über die Produktion bis zur Entsorgung  – war ihr Anspruch an das Masterprojekt. Dabei galt es auch Beschaffungsprobleme zu lösen und Kompromisse zu machen:

Vor allem die Beschaffung von farbigen Schnürsenkeln und farbigem Nähgarn hat sich als fast unlösbar erwiesen.

Am Ende hat sie sich für die Verwendung von Schnürsenkeln aus recycelbarem Polyester entschieden.

Ihr Projekt ist zusammen mit der Firma Legero und Think!Schuhe in Graz entstanden.

Ohne diese finanzielle und handwerkliche Unterstützung wäre mein Projekt nicht möglich gewesen.

Auch eine Einführung in die Herstellung natürlich gegerbten Leders bei Ecopell in Bayern war Teil ihrer Recherche. Ganz besonders spannend sind die Materialen, die für Stefanies Sneaker zum Einsatz kamen: sämisch gegerbtes Hirschleder, handgefärbt mit Blauholz, Naturloden aus 100 Prozent natürlicher Schafswolle und Eco Leinen als Obermaterial, die Sohlen sind recyclebares Material aus PU+EVA (abnehmbar bei Entsorgung oder Reparatur), die Innensohlen aus abbaubarem Naturkork mit naturgegerbtem Kalbsleder aus Österreich.

Alle Materialien sind aus Europa, zertifiziert oder von mir persönlich in der Produktion begutachtet worden – ich habe versucht, soweit wie möglich, abbaubare Materialien zu verwenden und wenn dies nicht möglich war, diese durch recyclebare Materialien zu ersetzen.

Ein rundes Projekt, das zeigt, was momentan auf dem europäischen Schuhmarkt in Sachen nachhaltiger Produktion machbar ist. Zurzeit ist die Österreicherin für zwei Monate in Ho Chi Minh City, um direkt vor Ort die industrielle Schuhherstellung kennenzulernen und ihr Wissen dann zu nutzen, um die konventionelle Produktion nachhaltig umzugestalten.

Vios Sneaker Collection (2012)
Models: Sara Hlatky, Florian Fuchs
Photographer: Anita Schmid
Location: Mondsee, Salzkammergut Austria

Nach meinem gestrigen Review von Bojana Dračas „Zero-Waste“-Kollektion stelle ich euch morgen zum Abschluß meiner kleinen Reihe das „WUU-Projekt von Daniela Franceschini vor!

Das international ausgerichtete Studienprogramm der ESMOD wurde im Oktober 2011 gestartet. Der praxisbezogene Ansatz soll die Studierenden ermutigen, Visionen und Designstrategien zur Umsetzung nachhaltiger Ansätze zu entwickeln und eröffnet den Zugang zu innovativen Materialien, Techniken und Produktionen. Unterrichtet werden Design- und Marketingstrategien, Critical Studies und Sustainable Textile & Production. Themenschwerpunkte für den ersten Jahrgang waren unter anderem Kleidung nach dem Cradle-to-Cradle System zu recyceln und neue Technologien im Denimbereich, wie die Lasermethode, auszuprobieren.

Marina Chahboune ist Gründerin und Chefredakteurin des Blogs „Beyond Fashion“ und studierte – nach Abschluß einer Ausbildung zur Maßschneiderin – Modedesign an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin und der Helsinki Metropolia University  in Finnland. Ihre Bachelorarbeit schrieb sie zum Thema “Sichtbare und unsichtbare Spuren die ein Kleidungsstück entlang der textilen Wertschöpfungskette hinterlässt und mögliche Lösungsansätze diese zu reduzieren /vermeiden”. Zurzeit arbeitet sie als Consultant im Bereich Nachhaltige Mode.