Stellen wir uns folgendes Bild vor: Sommer in Berlin, die Sonne erfreut alle Draußensitzer mit ihrer Anwesenheit, ob nun in der gerade beginnenden Mittagspause oder während des zwei Mal im Jahr stattfindenden Modeboheis namens Fashion Week. In der Mitte dieser sitzenden und palavernden Menge finden sich auch zwei Verfechter „öko-fairer Mode“, die sich in diesen Tagen zum ersten Mal treffen konnten: Raphael Breyer von dem Bekleidungslabel 3FREUNDE sowie unser Designmobber Alf. Daraus entstand neben dem Gastbeitrag von Raphael über „Die Zukunft der Baumwolle“ auch die Idee eines Interviews, um hinter die Kulissen eines T-Shirt-Labels zu blicken.

Zu Beginn gleich der Klassiker aller Fragen: Welche Idee steckte hinter der Gründung von 3FREUNDE?

Die Gründungsidee wird sich nicht sonderlich von dem anderer Shirtlabels unterscheiden: Wir wollen das perfekte Shirt kreieren! Was uns unterscheidet ist, in welcher Tiefe und mit welcher Konsequenz wir das machen. Es geht also nicht um oberflächliche Coolness, sondern um Grundsätzlichkeit und Aufrichtigkeit.

Was heißt das für das Konzept eures Bekleidungslabels?

Das bedeutet, dass wir über Jahre nun an verschiedenen Punkten optimiert haben. Wir haben viel gelernt: vom Fairen Handel über textiltechnische Fragen und Drucktechniken bis hin zum Marketing. Heute stellen wir unsere Artikel in einer eigenen Näherei in Indien her, können zurecht behaupten, dass wir keine „Blackbox Produktion“ haben, sondern jeden Schritt kennen und transparent machen. So klar macht das kein anderer Bekleidungshersteller. Dazu kommt für uns eine der wichtigsten Aspekte in punkto Nachhaltigkeit: Nur wenn die Qualität gut ist kann ein Produkt überhaupt nachhaltig sein.

Warum setzt ihr einzig und allein auf T-Shirts?

Shirts sind ein guter Anfang. Das Produkt ist simpel, relativ zeitlos und keinen größeren modischen Schwankungen unterworfen. Kurz: mit hohen Stückzahlen kann trotz hoher Qualität, guten Rohstoffen und fairer Entlohnung ein akzeptabler Preis für den Kunden dabei herauskommen.

Bio, fair, klimaneutral – mit diesen drei Schlagwörtern werbt ihr für euch. Wie könnt ihr die „Fairness“ bei euren Zulieferern und Partnern sicherstellen?

Wir verlassen uns auf zwei unabhängige Zertifizierungsstränge: Die Zertifizierung der Baumwolle durch die Fairtrade Labeling Organisation (FLO) und die Zertifizierung der gesamten Produktionskette durch den Global Organic Textile Standart (GOTS). Dazu kommt die räumliche Nähe der Produktionsanlagen zueinander  und die dadurch gewährleistete kontinuierlichen Überprüfung durch unseren langjährigen Mitarbeiter vor Ort. Wichtig für uns ist aber auch die faire Entlohnung der Mitarbeiter. Da sind wir selbst aktiv geworden und haben eine Näherei mitgegründet. Einen besseren Einblick gibt es nicht.

Große Unternehmen setzen immer häufiger gerade im Marketing auf Begriffe wie „ökologisch“ oder „nachhaltig“. Manchmal auch in der Kombination mit Rohstoffen wie Baumwolle, wobei „nachhaltige Baumwolle“ schlicht nicht existent ist. Die Grenze, was nun wirklich davon ökologisch sinnvoll oder tatsächlich nachhaltig ist und was nur „Augenwischerei“ oder „Green Washing“ ist, ist schwer zu ziehen. Wie begegnet ihr euren Kunden, die wissen wollen, wie „ökologisch“  und „nachhaltig“ ihr arbeitet?

Offen und ehrlich. Das ist für uns der einzige Weg. Baumwolle braucht nun mal viel Wasser, sie wächst nicht bei uns und deshalb müssen Baumwollprodukte importiert werden. Jedoch hängen von diesem Naturprodukt die Einkommen von Millionen von Menschen ab. Wir wollen, dass durch die Benutzung des Biorohstoffes und durch eine faire Entlohnung für alle möglichst viele Menschen entlang der Wertschöpfungskette davon profitieren. Auch deshalb produzieren wir in Indien.

Wir versuchen auch scheinbare Kleinigkeiten zu beachten: So kommt unsere Baumwolle aus Gujarat in Nordindien wo ein Teil des benötigten Wassers durch „rainwater harvesting“ gewonnen wird. Um Transportemissionen zu sparen liegen alle weiteren Produktionsschritte in einem Umkreis von 40 km in Tirupur im Süden Indiens. Das setzt sich bis zum Versand fort: Unsere Versandtaschen sind voll kompostierbar.

Wichtig für die Nachhaltigkeit ist vor allem die Qualität. Es ergibt keinen Sinn für ein Shirt tausende von Liter Wasser zu verbrauchen, das dann zwei Mal getragen werden kann. Nachhaltigkeit hört nicht bei uns als Produzenten auf, sondern setzt sich beim Kunden fort: Er muss das Produkt nutzen und lieben.

Das setzt uns auch eindeutig ab von allen Absichtserklärungen und Initiativen die in eine „gute“ Richtung gehen wollen. Wir begrüßen solche Initiativen, sind aber stolz, bei solchen Prozessen vorneweg zu gehen.

Ihr habt eine Näherei in Indien und zudem euren Sitz in Rheinfelden sowie eine Dependance in der Schweiz. Wie gestaltet sich eure Arbeit zwischen diesen drei Ländern?

Natürlich gibt es kulturelle Unterschiede zwischen Europa und Indien, die von vielen unterschätzen werden, aber diese Arbeitsweise hat für uns auch viele Vorteile. Nehmen wir zum Beispiel unseren Produktionsmanager Girish Krishnan in Indien, der seit sechs  Jahren für uns arbeitet: Er kontrolliert die Produktionsbedingungen in der Fertigung, aber auch die Qualität. Nichts verlässt Indien, was er nicht gesehen hat. Zum anderen kann er mit jedem dort auf Malayalam, Tamil und Hindi sprechen. Dadurch haben wir mehr Informationen, einen besseren Einblick und bessere Ergebnisse.

Unsere Kunden hier haben zudem deutsche Ansprechpartner, mit denen sie zusammenarbeiten können. Ich höre immer wieder von deutschen Labelbesitzern, dass sie schlechte Erfahrungen bei der Kommunikation mit indischen Herstellern gemacht haben. Das kann ihnen bei uns nicht passieren.

Für ökologisch wie nachhaltig denkende Unternehmer schließt sich hier gleich eine weitere Problemstellung an: Wie geht ihr mit eurem eigenen „ökologischen Fußabdruck“ um?

Das ist für uns ein wichtiges Thema, dass schon in unserer 3FREUNDE-DNA steht. Wir kommen alle aus der Pfadfinderbewegung und da stehen ökologische Dinge immer auch im Zusammenhang mit dem Bewusstsein des eigenen Handelns. Wir schauen danach, welche Auswirkungen unser Tun hat und suchen nach cleveren Lösungen, um die negativen Einflüsse so gering wie möglich zu halten.

Das Allerwichtigste steht aber am Anfang: Wir wissen überhaupt erst einmal, wie der ökologische Fußabdruck unserer Produkte aussieht. Nur wenn man das weiß, kann man daran etwas ändern. Wir reduzieren unseren CO2-Ausstoß durch den Einsatz von Biobaumwolle, kurze Transportwege, klimaschonenden Versand und kompensieren den unvermeidlichen Rest durch unseren Partner myclimate.ch, der die Menge CO2, die wir ausstoßen, durch Klimaschutzmaßnahmen an anderen Stellen einspart.

Wir achten aber auch darauf, dass wir in Deutschland klimaschonend unterwegs sind und nutzen Carsharing und immer wenn es geht die Bahn.

Natürlich sehen wir aber auch Spannungsfelder in diesem Bereich. Über 95 % unserer Produkte kommen relativ umweltschonend per Seefracht zu uns nach Europa. Es gibt aber immer wieder Kunden, die nicht drei Monate auf ihre Produktion warten können, dann muss die Ware eben auch mal per Luftfracht kommen. Wir versuchen, dass jedoch so gut es geht zu vermeiden.

Zum Schluß ein Blick in die Zukunft: Was können wir von 3FREUNDE in 2013 erwarten?

Wir wollen es für kleine Labels einfacher machen, sich für fair gehandelte Biobaumwolle in ihren Kollektionen zu entscheiden. Dafür arbeiten wir derzeit daran, eine Art modularen Baukasten zu entwickeln, mit welchem es einfacher wird, Stückzahlen ab 50 Stück zu bestellen. Für Endkunden werden wir die Vielfalt der Farben und Modellen erhöhen, um diesen noch mehr Raum für ihre eigene Kreativität zu bieten.

Und wir werden weiterhin an dem festhalten, was wir am besten können: Authentizität bieten!

Fotos: 3freunde