Von Caroline Priese

Der Individualist ist jemand, der einen persönlichen Lebensstil entwickelt hat und sich dadurch von anderen abhebt. Egal ob durch sein Auftreten, seine Kleidung oder seinen Lebensstil. Individualisten gehen immer ihren eigenen Weg, weg vom Mainstream hin zum Besonderen. Und eben diese Individualisten sind es, die bereit sind für Ihren Individualismus tiefer in die Tasche zu greifen.

Das Thüringer Label HERRLICHT gehört zu denen, die dem Wunsch nach Individualismus im Bereich des Seh-Accessoires nachkommen. HERRLICHT verkauft seit 2005 Brillengestelle aus Holz – ausschließlich aus Holz. Zielgruppe sind Menschen, „die auf der Suche nach etwas Besonderem sind. Individualisten eben“, erklärt Unternehmenssprecherin Eva Lenz im Interview mit Modeaffaire. Es seien aber auch „Brillenverrückte“ und solche an den hölzernen Unikaten interessiert, denen das Material und seine Nachhaltigkeit gefalle.

Der Reiz von Holz liegt auf der Hand: Es sieht nicht nur interessant aus, es hat auch eine angenehme Haptik, Wärme und Individualität; macht doch allein das Material jede Brille zu einem Unikat, denn kein Stück Holz gleicht dem anderen. Dass es ein natürlicher, nachwachsender Werkstoff ist, ist ein weiterer Pluspunkt. (Eva Lenz)

Die Materialien der in Erfurt ansässigen Manufaktur stammen aus Europa und Nordamerika. Tropenhölzer würden grundsätzlich nicht verwendet. Alle genutzten Holzarten weisen eine gewisse Flexibilität auf und dürfen nicht zu brüchig sein. Es werden Ahorn, Walnuss, Kirsche, Räuchereiche und Pflaume verwendet. Außerdem bestünden die Brillengestelle aus Leim und Lack.

Die Intention des Label-Gründers Andreas Licht war es von Beginn an eine Brille zu fertigen, die auskomme, ohne Holz mit einem anderen Material zu kombinieren. Andreas Licht selbst arbeitete bereits vor der Gründung von HERRLICHT in den Bereichen Möbel und Fahrrad mit dem wertvollen Werkstoff Holz und weiß so über die Tücken des Materials Bescheid. Auf diese Besonderheiten müsse bei der Produktion von Holzbrillen eingegangen werden.

Es wird gesägt, in Form gepresst und verleimt, geklebt, geschliffen, poliert, lackiert, justiert…, doch manches Stück Holz will eben keine Brille werden.

So ist die Produktion eines jeden Brillengestells unter anderem von der Art des Holzes abhängig und kann bis zu zehn Stunden dauern. Verwendet werden bei HERRLICHT Furnierbretter (Bretter mit einer Stärke von 0.3 – 6mm) vom Fachhändler. „Tatsächlich werden alle Gestelle in intensiver Handarbeit in Erfurt hergestellt. Wir lagern keinen Arbeitsschritt aus. ,Made in woanders` gibt es bei uns nicht“, ergänzt Eva Lenz. „Die intensive handwerkliche Fertigung in Deutschland hat natürlich ihren Preis.“

Stolz heißt es weiter: „Als wir 2005 angefangen haben, mit unseren Holzbrillen auf Optikmessen zu fahren, waren wir dort quasi Exoten. Inzwischen gibt es einige andere Holzbrillenhersteller. Vielleicht ist das aber insgesamt eher ein Trend zu alternativen Materialien, denn der Holzbrillenmarkt ist nach wie vor recht klein.“ Zum Glück. Denn welcher Individualist würde sich ein Massenprodukt kaufen?

HERRLICHT Brillengestelle können über diverse Optiker bezogen werden. Wer seinen Individualismus über sein Seh-Accessoire ausdrücken möchte, kann sich auf der Webseite des Labels über die jeweiligen Andressen informieren.

Die gebürtige Bremerin Caroline Priese studiert seit 2008 Medienmanagement in Berlin. Mit dem Thema Mode hatte sie schon die verschiedensten „Affairen“, zum Beispiel während der Organisation der Bremer Businessmodenschau, als preisgekrönte Nachwuchsdesignerin oder auf der Berlin Fashion Week, wo sich ihre Hochschule mit einer eigenen Show präsentiert. Seit knapp zwei Jahren beschäftigt sie sich intensiv mit dem Thema Nachhaltigkeit.

Hintergründe der grünen Modewelt, alles zu jungen Labels und Herstellern sowie die Trends und Entwicklungen der Branche: modeaffaire.de ist gleichzeitig Magazin, Infopool, Ratgeber und zeigt, dass diese bewusster produzierte Kleidung alles andere als langweilig ist. modeaffaire.de wurde 2010 von Katharina Höfling und Sabine Segerer gegründet. Nachdem Katharina  im Juli 2012 schweren Herzens ausgestiegen ist, wird die Seite von Sabine Segerer mit Hilfe ihres kleinen, aber feinen Teams weiter betrieben.

Fotos: HERRLICHT
Der Artikel erschien bereits bei der Modeaffaire – Online-Portal für faire Mode.