„Klamotten Galerie“ nennt Philippe Werhahn sein Atelier im Berliner Reuter-Kiez. Altes wird hier zu Neuem: Ob Rock, Hemd oder Pullover – durch des Designers Hände flitzen Stoffe, die sonst nicht mehr gebraucht werden. Dabei entsteht ansehnliches und kreatives Upcycling wie aus dem Buche.

Die Stücke von TingDing versuchen dabei den Spagat zwischen Alltagstauglichkeit und Extravaganz, welches beides in Berlin-Neukölln seine Berechtigung hat. Hemdärmel oder auch Hosenbünde verlieren ihre ursprüngliche Funktion und werden Neues, etwa Applikationen oder Kleidersäume. Den modischen Fantasien werden dabei keine Grenzen gesetzt. Entworfen wird direkt an der Puppe, Re- oder De-Konstruktion kann das Ganze ebenfalls genannt werden. Kunst entsteht dabei auf alle Fälle, die Bewertung liegt im Auge des Betrachters. Die Stoffe stammen von Lebenskleidung aus Berlin.

… aus Hemden werden Kleider, aus Kleidern werden Pullover, aus Pullover Röcke und umgekehrt! Einzelteile für Frau und Mann zu allen möglichen und erdenklichen Gelegenheiten.

„Wasting waste is a waste of resources“ – so umschreibt Philippe Werhahn seine Arbeit. Im Mittelpunkt steht dabei das „Casa Kibera Projekt – der Kreislauf der Klamotten„. Gemeinsam mit Davide Farabegoli und Linda Hörnquist und gefördert vom IED Moda Lab Milano und der italienischen Vogue dokumentierte der Designer die Zusammenhänge sowie die weltweiten Auswirkungen durch die Massenproduktionen und die daraus resultierende „Weg-Werf-Gesellschaft“ durch seine beiden Reisen nach Nairobi.

Die einst gespendeten Klamotten haben wir zurückgekauft und daraus eine Kollektion gebaut. Zusätzlich wurden zwei Workshops in einer lokalen Schneiderschule initiiert und durchgeführt. Die Unternehmen der Altkleider – Container verkaufen die gespendeten Klamotten, zu einem hohen Anteil nach Afrika (beispielweise jährlich 100.000 Tonnen alleine nach Kenia), wo sie auf lokalen Märkten gewinnbringend weiterverkauft werden! Dadurch wird der lukrative lokale Schneidermarkt beziehungsweise die gesamte Textilbranche nicht gefördert, sondern blockiert.

TingDing, so Philippe Werhahn, ginge es um das Bewusstsein für die Klamotte an sich. „Momente, Erinnerungen, Ereignisse und Erlebnisse sind es, und nicht irgendwelche Modetrends oder eventuelle objektive Ästhetik, die die Kleidungsstücke prägen und die individuelle Erscheinung fördern!“

Fotos: John Brömstrup und Pietra9 (Laden)