Bobby Kolade & Manu Washaus | Sweater "Study of the Impossible" | Foto: Konstantin Laschkow | DESIGNMOB

Es ist der 24. April 2013. Der Zeiger steht auf 8:45 Uhr. In diesem Moment ereignet sich eines der schlimmsten Unglücke der Produktion von Konsumgütern der zurückliegenden Jahre. Das Rana Plaza Gebäude in Dhaka, Bangladesch, mit knapp 3.500 Arbeiterinnen und Arbeitern stürzt ein. 1.129 Menschen sterben. Manche Quellen berichten von über 2.000 Toten. Die Fabrik war nicht sicher genug, die Mauern hielten nicht mehr Stand, begruben beim Einsturz viel zu viele Menschen, die auf so einem engen Raum gar nicht hätten arbeiten dürfen.

Die Bilder dieser Katastrophe gingen um die Welt, kurz besann sich die Modeindustrie, führende Mode- und Bekleidungsunternehmen versicherten, ihre Produktionsstätten in Bangladesch umgehend zu überprüfen und die Sicherheit vor Ort für die unterbezahlten Arbeiterinnen und Arbeitern zu verbessern. Gegen den Imageverlust. Für uns und unser Konsumverhalten.

We read that they are hard to identify, these faceless workers who sacrifice their lives for our affordable, trendy, even ironic clothes and everyday-needs. (Manu Washaus)

7 Monate später ist die Katastrophe schon wieder Vergangenheit, verschwunden aus unserem Bewusstsein, irgendwo versteckt zwischen all den Klamottenbergen, die wir – die Konsumenten – tagtäglich durchwühlen oder von einer Seite zur anderen Seite im Kleiderschrank räumen. Aus dem Auge, aus dem Sinn – den Unternehmen, die weiterhin in Bangladesch unter sicherheitswidrigen Bedingunge produzieren lassen, war es Recht. In diese Stille platzten ein Künstler und ein Modemacher und rückten die Katastrophe wieder ins (modische) Rampenlicht.

Bobby Kolade & Manu Washaus | Sweater "Study of the Impossible" | Foto: anna k.o. | DESIGNMOB

Jungdesigner Bobby Kolade hat in Zusammenarbeit mit dem Künstler Manu Washaus den „Sweater – Study of the Impossible“ entworfen. Manu Washaus hat für die beiden Sweater eine Auswahl der zunehmend ästhetisierten Pressefotos der Katastrophe genutzt. Produziert wurden die Pullover in einem Sweatshop in der chinesischen Produktionsmetropole Shenzhen. Bobby Kolade hat den Pullover als modisches Art Piece und Denkzettel für uns, die Konsumenten, wieder nach Europa geholt.

Produced in Shenzhen, Guangdong, they originate from the same production metropolis where iPhones, laptops, toys, oil-painted reproductions, and many of the other goods we use on a daily basis are fabricated. (Manu Washaus)

Text: Alf-Tobias Zahn
Fotos: Konstantin Laschkow (Model) & anna.k.o (Paar)

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