Designmob | fair tragen an der Schule am Falkplatz | Workshop | Berlin | Foto: Nastasja Nefjodov

Die ganze Welt in meinem T-Shirt – was soll das bedeuten?

Dienstag, 13:05 Uhr, der Nachmittagsunterricht beginnt. In der Schule am Falkplatz in Berlin Prenzlauer Berg tummeln sich neun Schülerinnen und Schüler aus unterschiedlichen Klassen in der Lernwerkstatt der Schule. Neben den 11- bis 12-jährigen sind neben einer weiteren Lehrkraft und Schulhund Emma auch wir anwesend – der Designmob. Nicht in voller Stärke, sondern mit unseren Experten der jeweiligen thematischen Einheit. Herzlich willkommen in unserem „fair tragen“-Unterricht.

Es ist Halbzeit! Eigentlich unvorstellbar, wie schnell die ersten 8 Einheiten unseres Halbschuljahr begleitenden „fair tragen“-Workshops an der Schule am Falkplatz vergangen sind. In unserer Reise vom Ursprung unserer Klamotten bis zur fertigen Ware in den Konsumtempeln unserer Zeit sind wir schon sehr weit vorgedrungen.

Von den Herkunftsländern unserer Kleidung über die Rohmaterialien wie Baumwolle und die eigentlichen Näh-, Strick- und Webfähigkeiten bis hin zu den wirtschaftlichen Abhängigkeiten und dem ersten Entwurf eines T-Shirt-Logos haben wir gemeinsam mit den Kindern viele faszinierenden Fakten und Geschichten gehört, die uns ein Stück näher zu der Antwort auf unsere Frage bringt, warum die ganze Welt eigentlich in unserem T-Shirt steckt.

Designmob | fair tragen an der Schule am Falkplatz | Workshop | Berlin | Foto: Nastasja Nefjodov

Eine Herausforderung für uns und die Kinder sind nicht nur die teils verworrenen Wege, die unsere Kleidung zurücklegt, sondern auch der anstrengende Schultag, der vor den Kindern liegt, bevor wir nach dem Mittag mit unseren 90 Minuten starten. Diese beginnen wir immer mit einem Gespräch über das, was in den letzten Stunden gemacht wurde und was den Kindern davon noch besonders im Gedächtnis hängen geblieben ist. Und zu unserer Freude ist dies eine ganze Menge. Ob es nun die genaue Bezeichnung der Region ist, in der Baumwolle angebaut wird oder die immer noch andauernde Verblüffung, wie viel Fingerspitzengefühl und vor allem Zeit von Nöten ist, um einen Teppich zu weben – die Details und die Abwechslung in der Vermittlung von Wissen scheinen den Kindern besonders gut zu gefallen.

Den Kindern hat es viel Freude gemacht. Sie konnten gut den Bezug zwischen ihrem Tun und der Produktion von Stoff erkennen. Man merkt in jeder Stunde, dass sie sich die Informationen der vorherigen Stunden merken und auch da immer besser verknüpfen. Sie werden richtig zu kleinen Experten. Durchweg sind sie motiviert. Ich glaube, die große Abwechslung der Stunden ist besonders motivierend.

Andrea über ihre Eindrücke als Anleiterin der Einheiten

In einer der ersten Einheit hatte nicht nur Shrek, das Schaf, seinen großen Auftritt. Es kam auch die Frage auf, warum Biobaumwolle besser für den Boden ist. Das konnte dann eine Mitschülerin gleich selbst beantworten: Auf Grund der Pestizide, die beim konventionellen Anbau von Baumwolle verwendet wird. Aus unserem Mystery Spiel ist ihnen wiederum vor allem in Erinnerung geblieben, dass der Aralsee förmlich „ausgepumpt“ wurde, damit genügend Wasser für die Bewässerung des Baumwollanbaus vorhanden ist.

Designmob | fair tragen an der Schule am Falkplatz | Workshop | Berlin | Foto: Nastasja Nefjodov

Selbst wirtschaftliche Verflechtungen und Abhängigkeiten stellen im Workshop keine Schwierigkeiten dar. Vielmehr noch diskutieren die Kinder untereinander schon fast wie die Großen, wenn es darum geht, ob der Einzelhandel und die Marke von ihren 75 Prozent am Preis einer Jeans nicht doch etwas an die Näherinnen und Näher abgeben können, die nur knapp 1 Prozent vom Verkaufspreis erhalten. Ein Ringen, ein Feilschen – aber im Gegensatz zu unserer tagtäglichen Realität ist der Solidaritätsgedanke und das Verständnis von Fairness so ausgeprägt, dass die Näherinnen am Ende der Runde mit 10 Prozent nach Hause gehen konnten. Wieder einer dieser tollen Momente, die wir bisher mit den Kindern erleben durften.

Noch vor Weihnachten geht es jetzt für die Kinder und uns in weiteren Einheiten um das Design für das „fair tragen“-Öko-Shirt, welches am Ende des Schulhalbjahres jedes Kind mit nach Hause nehmen darf. Aber nicht nur das Design ist wichtig, sondern auch der Druck und die dafür notwendigen Farben. Der Spaß kommt bei all diesen teils hochkomplexen und wichtigen Dinge aber nicht zu kurz – unser Filmnachmittag vor Weihnachten und ein gemeinsamer Ausflug im Neuen Jahr ist bereits in der Planung.

Schließen wollen wir dieses Halbzeitrésumés mit dem, was unsere Arbeit ausmacht und weswegen wir uns alle im Designmob und für unsere Kinder und Jugendlichen engagieren: Der entscheidende Moment, in dem es „Klick“ macht!

Ein toller Moment war, als ich einmal mit am Tisch gesessen habe und ziemlich genau den Moment miterlebt habe, wo es „Klick“ gemacht hat. Und auf einmal in den Köpfen der Kids eine Verbindung zwischen einem in Europa gekauften T-Shirt und Umweltproblemen an einem See in Zentralasien hergestellt wurde. Großartig!

Gerrit über den „Klick“

Text: Alf-Tobias Zahn mit dem Designmob-Team
Foto: Nastja Nefjodov

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