Der Januar ist, wie immer in Berlin, kalt und unbarmherzig. Deshalb umso mehr Lichtblick und persönliches Highlight in diesem Monat: Die Berliner Fashion Week:

1001 interessante Platformen, darunter meine Favoriten Premium, Seek und natürlich der Green Showroom & Ethical Fashion Show. Von Letzterer will ich euch berichten.Neben all den Labels, die beständig schöne, gut aufgestellte öko/faire Kollektionen zeigen wie z.B. people tree, ist zu bemerken, dass immer mehr konventionelle Brands anfangen, Teile der Kollektion umzustellen und dass es immer mehr Innovation bei den Newcomer Labels gibt.

skunkfunk logo

Frei nach dem Motto „Con algo hay que empezar“ hat skunkfunk beschlossen, ihre Produktion peu à peu auf nachhaltig umzustellen. Bedeutet konkret, dass an drei Punkten gearbeitet wird:

1.Soziale Ressourcen: Lieferanten werden langfristig aufgebaut und nicht, wie bei den meisten vertikalen Bekleidungsketten, unter immensen Preis- und Zeitdruck gesetzt. Jeder Lieferant muss zudem eine soziale Zertifizierung vorweisen (BSCI, SA8000, ETI, FWF, oder WRAP). Randnotiz: Zu den sozialen Zertifizierungen werden ihr demnächst mehr im Blog lesen können.

2.Verantwortung für die Natur: 100% der Artikel werden in Bioplastik aus erneuerbaren Materialen wie Mais verpackt. Für über 50 % des Versands werden die Kartons wiederverwendet. Zudem wird in den Büros nur Umweltpapier verwendet und auf einen umsichtigen Umgang mit der Ressource Papier geachtet.

3.Der CO2-Abdruck: 90% der Produkte werden per Schifffracht versendet, 45% der eingesetzten Baumwolle ist bio. Zudem wird in der Zentrale und den POS an weiteren Energiesparmaßnahmen gearbeitet.

20150121_132902 Bis 2020 will skunkfunk 100% der Kollektion auf Biobaumwolle umgestellt haben, aktuell sind 31% aus umweltfreundlichen Stoffen (zu denen auch Leinen, Tencel und recycletes Polyester gehören).

Meine Meinung: Vorbildliche Entwicklung. Wie man sieht gibt es Mittel und Wege, Firmen „umzurüsten“.

Hey, an alle Anderen, die’s noch nicht kapiert haben: Nicht umrüsten ist doch ziemlich anachronistisch und die ewige Argumentation über niedrige Einkaufspreise eine Milchmädchenrechnung und: ent-rüsten-d

Unter den Newcomer Labels habe ich 3 ganz unterschiedliche Taschenlabels gesehen, die mit upcycling und Bioleder neue Wege gehen:

pira logo

Die wunderschöne Taschenkollektion setzt sich mit ihrem Design von vielen Mitbewerbern ab. Neue Formen, der Einsatz von Flechttechniken und offenen Kanten zeigen die Handschrift von Designerin Monika Pieracka. Schreibschrift: 1 mit Stern*

pira bags

Und nun das Beste: Das Leder wird über Ecopell bezogen. Also für alle, die bei Taschen nicht auf Leder verzichten wollen, hier der Link to leather-happiness, muuh. http://www.vegetable-tanned-leather.com/about-us

Schreif logo

Das Schweizer Label macht Taschen aus Reifenschlauch und Leder und produziert sozial und ökologisch nachhaltig in El Salvador. Die gebrauchten Kautschukschläuche werden vor Ort bei Werkstätten und Schrottplätzen gesammelt, das Leder wird von einer lokalen Gerberei bezogen und die Reißverschlüsse sind original YKK. Der Clou: Das Innenfutter kommt im freshen Karo daher, und zwar in genau dem Stoff, der für die Schuluniformen in El Salvador eingesetzt wird.

Schreif_jägerinMein Lieblingsteil: „Die Jägerin“

Ich finde: Alles richtig gemacht: Schnittiges Design, einwandfreie Materialien und ein local flirt durch den Einsatz des Uniformkaros.

 

 

 

 

959 logo959 ist das Produkt von Industriedesigner Paolo Ferrari (und: ja, die Italiener haben nicht nur ein geniales Stilgefühl sondern auch die schönsten Namen J ), der gebrauchte Sitzgurte zu Taschen verabeitet. Die Gurte werden u.a. über Schrottplätze bezogen, gereinigt und dann zu Taschen verarbeitet, und das Ganze in Italien. Das durchgängig schwarze Material bildet den Grundstock für die Modelle, die durch die Materialwahl aber nicht nur clean sondern auch edgy sind. Aktuell perfekt zum sports goth look, just sayin‘….und wenn nicht mehr in dem Trendkontext, dann sieht man sich auch nicht ab, weil schwarz geht immer. Favoriten: Die Shopping Bag und die Tote.

959 shopping bag 959 tote

Und final noch ein herzallerliebst wunderschönes und progressives Label:

inheels logo

Im Gespräch mit Taeko Ohyama, die das japanisch-britische Label 2012 mitbegründet hat und von London aus arbeitet, erfuhr ich Interessantes über die Kollektion, die mit ausgewählten Lieferanten in Nepal und Indien gefertigt wird. Begeistert war ich vom Einsatz der Stoffe: Für den Winter gibt es Jacken, Röcke und Shorts aus einem Woll-Bananenfaser-Mix. Wer einmal versucht hat, eine ungeschälte Banane zu teilen, weiß, this is gonna get messy… Zeigt, wie widerstandsfähig die Schale und somit das daraus resultierende Material ist. Der Stoff fühlt sich robust-kernig an, ein bisschen wie Walk und ist perfekt für den Winter.

Die Textilkollektion wird abgerundet durch die Inheels „Bullet and Bombs“ Accessoires Kollektion. Aus der Zeit des Kambodschanischen Bürgerkriegs finden sich immer noch unzählige Kugeln. Diese werden im Rahmen von sozialen Projekten eingesammelt und zu Schmuck verarbeitet. Das Resultat sind filigrane Ketten und Ohrringe sowie statement pieces, für die das Grundmaterial eingeschmolzen und in eine neue Form gebracht wurde.

Super Message, tolle Looks: Recycling und Innovation at ist best!

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Fotos: Doris Hofmann, PIRA, SCHREIF, 959, Inheels