Lieblingsteile, die man lange hatte, die man vielleicht selbst genäht hat oder die ein besonderes Geschenk waren, können einem ans Herz wachsen.

Umso schwieriger ist es dann oft, sich von diesen Lieblingsteilen zu trennen, wenn sie ausgedient haben.

Die Vorstellung, dass dieses besondere Teil neben einer Bananenschale in die ewigen Jagdgründe eingehen soll ist irgendwie elend…aber Moment mal.

Es gibt die Chance auf ein neues Leben für alle die T-Shirts, Hosen und Schuhe: Als neues Kleidungsstück aus Recyclinggarn, als fluffig-weicher Inhalt im Kuscheltier oder als…Bodenbelag!

Egal ob es sich um ein Lieblingsteil handelt, das entsorgt werden soll, das Teil nicht mehr passt oder gefällt. Habt ihr euch auch schon mal gefragt, was mit den Sachen passiert, die ihr aussortiert?

Textilien und Schuhe, die gar nicht erst zur Altkleidersammlung gebracht werden, landen, wie sollte es anders sein: Auf der Müllhalde. Und mit ihnen Tonnen von verschwendeten Ressourcen wie Wasser und Energie sowie all die Chemikalien und Färbemittel, die für ihre Herstellung eingesetzt wurden.

Immerhin werden in deutschen Haushalten jährlich 75% der aussortierten Kleidung zur Altkleidersammlung gegeben. Das sind mehr als 1,5 Milliarden Textilien! Pro Person bedeutet das mehr als 12 Kleidungsstücke, insgesamt 750.000 Tonnen, 60.000 LKW-Ladungen!

Damit ist Deutschland Vorreiter im Verwerten. Dänemark kommt z.B. nur auf 50%, die USA lediglich auf magere 15%.

Wer nachhaltig entsorgen und dabei noch etwas Gutes tun will, hat mehrere Optionen.

Entsorgung über die städtische Abfallverwertung:

Einige Städte, z.B. Köln und München, bieten direkt über ihren Abfallwirtschaftsbetrieb die Möglichkeit, Altkleider in flächendeckend aufgestellten Containern zu entsorgen.

http://www.altkleiderkoeln.de/

https://www.awm-muenchen.de

Ca. 50% ist noch tragbar und wird an Textilgroßhändler weltweit verkauft.

Nicht mehr tragbare Kleidung wird einer ordnungsgemäßen Verwertung „nach Stand der Technik“ zugeführt, d.h. rund 20 Prozent werden zu Putzlappen verarbeitet und weitere 20 Prozent einer Weiterverwertung als Sekundärrohstoff und hochwertigem Ersatzbrennstoff zugeführt.

Die Verwertungsquote beträgt hier 90%.

Die Erträge kommen den Gebührenzahlern zugute, denn sie stabilisieren die Müllgebühren.

Abgabe der Altkleider bei caritativen Einrichtungen wie Oxfam, Diakonie, Rotes Kreuz oder der Caritas:

Die Abgabe erfolgt entweder in gekennzeichneten Containern, über Haussammlungen oder aber direkt in deren 2nd Hand Läden:

International: www.oxfam.org/ www.oxfam.de

Deutschlandweit: http://www.altkleiderspenden.de/

München: http://www.weisser-rabe.de

Die 50% tragbare Kleidung wird folgendermaßen verwertet:

Nur 10% der Kleidung wird über die eigenen 2nd Hand Läden verkauft oder Bedürftigen kostenlos über Kleiderkammern zur Verfügung gestellt. Mehr Bedarf gibt es in Deutschland nicht.

40% werden an Verwertungsunternehmen verkauft, die die Ware in vielen Schritten sortieren und speziell auf die (klimatischen) Bedürfnisse der Großhändler abstimmen, die nach Osteuropa, Asien oder Ostafrika verkaufen.

altkleider-sortieren

Eine Kleiderspende kommt somit nur selten direkt den Bedürftigen hier in Deutschland zugute, sondern wird über Umwege zur Geldspende für die gemeinnützige Institution.

Es gibt kritische Stimmen, die die Einfuhr von europäischen und amerikanischen Altkleidern nach Afrika kritisieren, würden diese doch die hiesige Textilwirtschaft negativ beeinflussen. Jedoch hat sich über die Jahre abgezeichnet, dass durch den Import der Altkleider, der „Mitumba“, viele neue Geschäftsmodelle vor Ort entstehen, vom Kleinhändler über die Schneiderin bis zum Bügelservice, die die auf Märkten angebotene Ware direkt vor Ort wieder salonfähig machen.

https://www.youtube.com/watch?v=G7bBjpY7E5M

Die untragbaren 50% werden an Recyclingunternehmen verkauft, die daraus wiederum Putzlappen oder Dämmstoffe für die Industrie machen.

Kleiderspende gegen Einkaufsgutschein bei Handelspartnern von I:CO:

I:CO bietet ein alternatives, internationales Sammelsystem, und zwar zusammen mit dem Textilhandel.

I:CO. Das steht für „I collect“, ich sammle, und dazu regt das Unternehmen Modefirmen und Endkunden an. Die Modefirmen können fehlerhafte/ reklamierte Ware abgeben und wir unsere Kleidung, die wir aussortiert haben.

Ziel von I:CO ist es, die komplette Altware im Cradle to Cradle System weiterzuverarbeiten, so dass ein zero-waste-Kreislauf entsteht.

Aussencontainer gibt es hier nicht. Bei bisher mehr als 60 Einzelhändlerketten, von Puma über H&M bis zu Levi’s, stehen Aufsteller, wo die Kunden ihre Altkleider direkt in den Läden entsorgen können, als Belohnung gibt’s einen Einkaufsgutschein. Wo die Container stehen, könnt ihr über den Storefinder herausbekommen: http://www.ico-spirit.com/de/startseite/

Auch hier ein ähnliches Prozedere: Sehr gut erhaltene Sachen wird als Second Hand- Ware verkauft. Der Rest wird ins Sortier- und Recycling-Werk gebracht und so entsteht die Grundlage zur Weiterverarbeitung. Das Innovative: Nicht mehr brauchbare Bekleidung wird nicht nur down- sondern auch upgecycelt und somit werden 95% wiederverwertet.

Sehr anschaulich werden die unterschiedlichen Verwertungsmethoden anhand der Recycling-Box dargestellt:

foto-recycling-box

In der linken Reihe ist das Ausgangsprodukt, das „initial product“ ein Strickpulli. Er eignet sich ideal, um als Textilverbundware, als „non-woven“, recycelt und  zum Beispiel als Isolation für Autos verwendet zu werden. In einem Auto stecken ca. 40 kg recycelte Faser.

Die mittlere Spalte zeigt ein Schuhrecycling. Schuhe bestehen aus bis zu 50 verschiedenen Grundstoffen, wie z.B. Holz, Metalle, Kunststoffe. Noch können diese hochkomplexen Produkte nicht zu 100 % auseinander dividiert und recycelt werden. Aktuell ist man in der Lage die Gummisohlen zu verwerten. Diese werden zu Granulat zerkleinert und dienen als Grundlage für Bodenbeläge.

Rechts wird uns textiles Upcycling aufgezeigt, „textile to textile“: Jeans aus 100% Baumwolle werdet geschreddert und zu Recyclinggarn versponnen. Dies kann z.B. mit sog. „Virgin-Cotton“, also neuer, nicht recycelter Baumwolle (die aus längeren Fasern besteht), zu einem neuen Stoff verwebt werden.

Das Upcycling ist, wie mir Herr Dietzsch-Dörtenbach von I:CO erklärt, ein ambitionierter Vorgang. Komplexe Fasermischungen stellen die Ingenieure vor Herausforderungen. Mit Hochdruck wird an Verfahren gearbeitet, nicht nur Monomaterial wie 100% Baumwolle oder Polyester zu verwerten. Um die Weiterentwicklung voranzutreiben, hat I:Co die „closed loop alliance“ ins Leben gerufen. Um einen effizienten Verwertungskreislauf aufzubauen, braucht man Firmen, die ihre Expertise dazu beitragen. Innovatoren auf diesem Gebiet können sich so im Rahmen dieser Plattform für Kompetenzaustausch engagieren und voneinander profitieren.

Des Weiteren werden gemeinnützige Projekte, die Starthilfe benötigen, unterstützt. Unter www.charitystar.com können die Initiativen sich bewerben, angemeldete User können online für die jeweiligen Projekte abstimmen. Das Projekt mit den meisten Stimmen bekommt eine Ausschüttung von 1000 €, sobald die Summe zusammengekommen ist und das ist der Fall, wenn sich genügend Kilos Textilien angesammelt haben. Pro Kilo gibt’s 2 Cent von den I:CO Sponsoren. Die Projekte und das aktuelle Sammelvolumen kann eingesehen werden unter: http://www.charitystar.com/projekte/

 

VORSICHT: BETRÜGEREIEN MIT ALTKLEIDERN

Das waren jetzt die good guys, doch Vorsicht, es gibt auch bad guys unter den Altkleidersammlern.

Wie wir eben erfahren haben, ist das Geschäft mit den Altkleidern lukrativ. Wer einen Sammelcontainer aufstellen will, muss dies beantragen und genehmigen lassen. Die bad guys sammeln in illegal aufgestellten Containern, der Inhalt wird an einen Textilverwerter verkauft und der Gewinn eingestrichen. Die Container sehen denen von caritativen Einrichtungen oft zum Verwechseln ähnlich. Sie geben meist vor, für einen guten Zweck zu sammeln und täuschen so die Bürger. Ein großer Schaden also für die städtische Müllentsorgung und die Hilfsorganisationen, also unbedingt vorher informieren!

Ob mein Lieblings-Chuck tatsächlich die Seite wechselt und von nun an den neuen Chucks als Boden dient sei dahingestellt.

Die vielen neuen Leben jedoch, die Textilrecycling möglich macht und dabei die Umwelt entlastet, sind es wert, die Sachen zum Container zu tragen und nicht einfach in den Müll zu kippen.

In diesem Sinne: HAPPY RECYCLING

Bildquellen:

www.blog.altkleiderspenden.de

www.ico-spirit.com

 

Und das könnt ihr im nächsten Beitrag nachlesen:

Be kind-rewind: Wie aus einer alten Jeans ein T-shirt wird