…oder eine neue Jeans! Und wie soll das bitte funktionieren??

Hier stellen wir euch einen Pionier des Textilrecyclings vor und ein Jeanslabel, bei dem ihr das gelungene Resultat sehen könnt!

Was wie eine brandneue Erfindung klingt, ist in Wahrheit eine Technik, die bereits seit 1947 von einer spanischen Firma namens RECOVERTEX, einem Hersteller von recycletem Garn, praktiziert wird.

Beim „recover upcycled textile system“ wird textiler Abfall in wertvolle neue Textilien umgewandelt, und das im cradle-to cradle system. Das heißt, dass Altkleider immer wieder verwertet und immer wieder neue Kleidungsstücke aus den alten hervorgehen können.

Und so funktioniert’s:

Die Altkleider werden in kleinere Stücke zerschreddert und vorsichtig geöffnet, um die Faserlänge nicht zu beschädigen. Klar, je länger eine Faser, desto haltbarer ist und umso weniger knittert sie, wenn sie zu Stoff verwebt wird.

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Recover bietet für eine große Bandbreite von Kunden und deren Produkte Fasern an. So wird die recycyelte Baumwolle in 5 verschiedenen Typen angeboten und jeweils gemischt mit:

  • neuen, nicht recycelten Fasern aus Baumwolle, Polyester, Acryl oder Viscose
  • recycelten PET-Flaschen = RPET (eine der Fasermischungen enthält mehr Baumwolle, die andere mehr Polyester)
  • RPET und Tencel (Tencel ist ein Material das, wie Viscose, aus Holz gemacht wird. Der Unterschied ist, dass bei der Aufbereitung weniger Lösungsmittel verwendet wird als bei der Viscoseherstellung; zudem wird das Mittel zu fast 100% im cradle-to-cradle system geführt. Also einer der umweltfreundlichsten Stoffe auf dem Markt aktuell)
  • neuer Biobaumwolle und Hanf (auch eine tolle Faser, die wenig Wasser und Pestizide braucht beim Anbau)

Weitere positive Fakten dieser Aufbereitung sind:

  • das Recycling von Baumwolle verbraucht kaum Wasser! Besonders wertvoll, denn der Anbau von Baumwolle, und natürlich auch von Biobaumwolle, verschluckt Unmengen davon!
  • es werden kaum CO2-Emissionen erzeugt
  • über 50% des Prozesses wird mit Solarenergie angetrieben
  • über 4 Millionen Kilogramm Textilabfall werden jährlich recycelt
  • die von RECOVER upgecycelte Baumwollt ist frei von Färbechemikalien, dank einer innovativen Färbemethode:

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Für das Jahr 2015 hat der Faserhersteller immense Einsparungen an umweltbelastenden Faktoren veröffentlicht:

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Bildmaterial: RECOVERTEX

Hut ab vor so viel Expertise!

Und was kann man alles Schönes draus machen? Darf ich vorstellen: Mud Jeans, ein Jeanslabel, das komplett nach dem Prinzip der Kreislaufwirtschaft arbeitet!

Das niederländische Label lässt den Stoff seiner Hosen auf Grundlage der recycelten Fasern herstellen.

In diesem Prozess werden die Jeans aufbereitet und zu neuem Stoff gewebt:

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1.Entfernen von Metallaccessoires

Metallteile (Reißverschluß, Nieten, Knöpfe) werden rausgeschnitten. Mud Jeans verwendet keine Lederlabels, sondern einen Logodruck, somit entfällt das Entfernen des Leders.

Und schon geht’s zum 2. Schritt.

 

 

 

 

 

 

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2. Schreddern

Die alten Jeans werden in einem langwierigen Prozess auseinandergenommen und zu Fasern weiterverarbeitet.

 

 

 

 

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3. Spinnen

Die so gewonnen Fasern werden mit neuer, langfaseriger Baumwolle gemischt, um sie wiederstandsfähiger zu machen. So entsteht neues Garn, bestehend aus den recycelten Fasern der alten Hose und neuer Baumwolle, und zwar bei RECOVER in Valencia, Spanien.

 

 

 

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4. Färben

Eine große Weberei, die auf Jeans spezialisiert ist, nimmt den nächsten Schritt vor: Die Garne werden mit Indigo gefärbt. Durch einen Wasserreiniger wird das Wasser nach dem Prozess wieder gesäubert.

 

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5. Weben

Nun werden die Garne zu Stoff verwebt.

Bei Jeans, genannt Denim, werden indigo (blau) gefärbte Garne mit hellen, ungefärbten/ gebleichten Garnen kombiniert. So entsteht der typische Jeans-Look.

 

 

 

Warum die Anwendung von solchen neuen Technologien so wichtig ist, zeigt diese Übersicht. Hier sieht man, wieviel Resourcen normalerweise beim Fertigen einer Jeans verbraucht werden und um wieviel Mud Jeans reduziert:

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Bildmaterial: Mud Jeans

Dass Mud hier so gut abschneidet liegt übrigens neben dem Recyclingaspekt auch am umweltfreundlichen Finish: Die Jeans werden nicht mit viel Wasser und Chemikalien gewaschen, sondern gelasert oder mit Ozon behandelt.

Angesichts dieser Zahlen und der Tatsache, dass sich bei vielen die Jeans, die sie aktuell nicht mehr tragen, im Kleiderschrank stapeln, hat der Gründer von Mud Jeans ein Leasingsystem ins Leben gerufen. So kann man für 7,50 € im Monat (und einer einmaligen Anmeldegebühr von 20 €) die Jeans immer wieder wechseln. Die von den Kunden zurückgegebenen Hosen werden entweder auf der Mud-Seite als Vintage Hosen angeboten oder, falls sie nicht mehr tragbar sind, recycelt.

So wird die abgetragene oder aussortierte Hose zu einer neuen Jeans, einem T-shirt oder einem Strickpulli, der circle of life in Vollendung :-)

 

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Bildmaterial: Mud Jeans